Vortragsabend mit Oliver Heer 2025
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Vortragsabend mit Oliver Heer
Ein Abend mit dem ersten Deutschschweizer Finisher der Vendée Globe
Montagabend, 23. Juni 2025
Dorfzentrum Bottighofen
Konzertbestuhlung mit ca. 200 Gästen
Der Segler Oliver Heer berichtete über seine Teilnahme an der härtesten Einhandregatta der Welt. Am 17. Februar 2025 erreichte er nach 99 Tagen und 5 Stunden wieder den Start- und Zielort in Les Sables d’Olonne, Frankreich. Es resultierte der 29. Platz. Eine bemerkenswerte Leistung, erkämpft mit dem zweitältesten Schiff und ohne die so wichtigen und die Geschwindigkeit enorm beeinflussenden Foils. Die «Vendée Globe» gilt als «Everest of the Seas». Diese berühmt-berüchtigte Einhandregatta führt non-stop um die Welt; um das Kap der Guten Hoffnung (Südafrika), das Kap Leeuwin (Australien) und um das Kap Horn (Südamerika) zurück an die französische Atlantikküste.
Oliver Heer bewies MUT, LEIDENSCHAFT, AUSDAUER, BELASTBARKEIT und DURCHHALTEVERMÖGEN.
Der Vortrag:
Unser Präsident, Herbert Roth, kündigte mit sichtlichem Stolz und Respekt den folgenden Vortrag mit Oliver Heer an.
Unser geschätztes SVB-Mitglied, Bettina Spring, ergänzte mit lebhaften Worten, wie sie und ihr Mann Martin, Oliver kennengelernt haben. Wie sich aus dem Jungen vom Zürisee, von Rapperswil, ein weltbekannter Segelprofi entwickelte.
Show down: unser Segelheld tritt selbstsicher und mit dynamischen Schritten auf die Bühne.
Einer kurzen Biografie folgt ein Film-Intro mit markanten Bildern von der «Vendée Globe».
Kleine Anmerkung: die «Vendée» ist ein französisches Departement am Atlantik gelegen; im Westen des Landes in der Region Pays de la Loire und ist nach dem Fluss Vendée benannt. Der Austragungsort Les Sables d’Olonne ist offensichtlich sehr segler- und regattafreundlich.
Oliver hatte die Möglichkeit, im erfolgreichen Team von Alex Thompson auf der IMOCA Hugo Boss zu segeln. Dieser vertraute ihm und gab 2021 den entscheidenden Tipp: «Einmal musst du dich an die Vendée Globe trauen, sonst bereust du es dein Leben lang!»
Zur Information: IMOCA (International Monohull Open Class Association). Die Open 60, heute allgemein nach ihrer Klassenvereinigung IMOCA genannt, ist eine seit 1991 bestehende Einrumpf-Segelyacht-Klasse von etwa 18 Metern Länge, die entwickelt wurde, um Einhand oder mit einer Mannschaft aus zwei bis vier Seglern Langstreckenregatten zu bestreiten.
Für Oliver folgten viele Vorbereitungen, viele Offshore Races, über 150'000 Seemeilen, wichtige Erfahrungen. Die ‘Oliver Heer Ocean Racing AG’ wurde im Dezember 2021 gegründet. Oliver und seine Frau Theresa zügelten nach Frankreich und errichteten ihre Basis in Port La Forêt. Eine harte Arbeit und Suche nach Teammitgliedern begann, ein kommerzielles Geschäft nahm seinen Anfang.
Später kam ein Mentalcoach aus Kesswil am Bodensee, Wolfgang Jenewein, dazu.
Oliver lernte, sich auf Lösungen zu fokussieren, in schwierigen Situationen ruhig und abgeklärt zu reagieren. Das Resultat darf sich sehen lassen.
Beginn in Les Sables d’Olonne: am 10. November 2024 verliessen sämtliche 40 Teilnehmer den geschützten Hafen durch einen ca. 1000 Meter langen Kanal ins offene Meer hinaus. Immer in Einklang mit Ebbe und Flut, bis zu 10 Meter Tidenhub möglich. Die Zuschauer, geschätzte 450'000, säumten die Ufer, ein Event der Superlative!
Der Start erfolgte genau um 13.02 Uhr mit sehr wenig Wind. Später in der Biscaya stürmte es mit gegen 60 Knoten. Ernüchternd und doch beruhigend, denn die Erde sollte umrundet werden!
Bei einem Routinecheck erkannte Oliver, dass er Wasser im Motor hatte, salziges Meerwasser! Dies wäre wohl das Ende der Expedition gewesen. In dieser Situation konnte er seine Ausbildung mit dem Mentalcoach wirkungsvoll einsetzen. Zuerst analysieren, dann lösen. Im vorliegenden Fall mit einer mechanisch improvisierten Vorrichtung, die zum Erfolge führte.
In der Nähe von Point Nemo, dem am weitesten entfernten Punkt vom Festland auf unserem Planeten, erfolgte ein Anruf der Rennleitung, ungewöhnlich und äusserst selten. Eisberge! Oliver überprüfte sofort sämtliche Alarmmöglichkeiten an Bord. Und tatsächlich tauchte ein weisser Koloss in unmittelbarer Umgebung auf. Geschätzte 300 Meter lang und sicherlich 100 Meter hoch. Was davon unter Wasser trieb, war nur zu erahnen. Im Konfliktfall wäre keine Hilfe zu erwarten gewesen und dies in arktischer Kälte.
Auf die später gestellte Frage eines Zuhörers, was er mit dem zerfetzten Vorsegel gemacht habe, gab Oliver zur Antwort: «wieder eingepackt, wie auch sämtlichen Abfall.» Nachhaltigkeit stand bei Olivers Kampagne schon immer im Mittelpunkt. Im Rahmen seiner Partnerschaft mit dem Swiss Polar Institute führte er einen Ozeansensor an Bord mit, der während der Fahrt wichtige Umweltdaten sammelte. Der Sensor wurde in Zusammenarbeit mit führenden Schweizer Universitäten verwaltet und sammelte Echtzeit-Messdaten über den Zustand der Ozeane in einigen der entlegensten Gebiete der Erde. Darüber hinaus leistete Oliver einen Beitrag zu einer weiteren wichtigen Initiative: dem Argo-Float-Programm. Diese Bojen, die unter der Meeresoberfläche schweben, messen Parameter wie Temperatur, Salzgehalt und biochemische Zusammensetzung. Mit einer Lebensdauer von drei bis fünf Jahren werden die Argo Floats noch lange nach Abschluss des Rennens wertvolle Daten liefern.
Zum Vergleich mit dem Atlantik oder dem Indischem Ozean wirkte der Pazifik um ein Vielfaches grösser. So war auch eine verhängnisvolle Flaute eine grosse Herausforderung, da die Anspannung und Hoffnung auf Wind sehr intensiv war.
Ja, irgendwo im Niemandsland kam dann auch die Datumsgrenze und so erlebte Oliver den selben Tag zweimal. Etwas speziell beschrieb er auch die Weihnachtfeiertage, das erste Mal allein. Doch auch hier seine Erkenntnis über einsam und allein. Oliver fühlte sich nie psychisch einsam, doch er war allein unterwegs. Zudem stand er täglich in Kontakt mit der Aussenwelt. In 99 Tagen gab er gegen 200 Interviews, viele davon live.
Am berüchtigten Kap Horn kam eine Funknachricht vom chilenischen Leuchtturmwärter, der ihm, wie schon seinen voraussegelnden Mitstreitern, viel Glück «buena suerte” wünschte.
Endlich wärmere Gewässer, die Farbe nicht mehr dunkel bis schwarz, sondern wieder angenehm blau. Und jetzt noch den Atlantik hochsegeln, vermutlich mit einer Portion Heimweh.
Zu guter Letzt vor der langersehnten Ziellinie: Flaute! Ein langsames Dümpeln über die Linie, Durchhaltevermögen bestätigt, Geschafft!!!!
Am Ende war Oliver froh, dankbar und sichtlich erlöst, als er seiner Betreuungscrew die Steuer seiner «TUT GUT» übergeben konnte.
Als 99. von bisher 102 Vendée Globe-Teilnehmern umrundete er die Erdkugel und dies in 99 Tagen.
Das neue Projekt wurde bereits lanciert: Geschätzte Kosten über die nächsten vier Jahre belaufen sich auf ca. 20. Mio. Franken. Sponsoring erwünscht.
P.S. Der Erlös unserer Veranstaltung ging vollumfänglich an Oliver Heer. Vorerst noch ein Tropfen auf den heissen Stein, doch bereits eine Basis. Wir freuen uns mit ihm und hoffen, noch viel von ihm, seinem geliebten Segelsport und seinen Erfolgen hören zu dürfen.
«Heer we go» …. and even further!
Wir möchten uns bei allen Beteiligten, Zuschauern und emsigen Helfern ganz herzlich bedanken. Wieder einmal hat unsere SVB einen erfolgreichen Anlass organisiert.
Für den SVB-Vorstand, Fredy Keller